Am Fuße des Kilimandscharo
Gemeindemitglieder aus St. Marien machen einen Besuch beim Projekt Christopher in Tansania (Afrika)

 

Vielen Emsdettenern ist das Hilfsprojekt Christopher bekannt. Dennoch tat sich für die sieben Gemeindemitglieder der Pfarrei St. Marien bei dem gemeinsamen Besuch mit Josef Lülf vom 22. Juni – 10. Juli 2007 in Moshi, Tansania, eine neue Welt auf. Hier vor Ort konnten sie sich davon überzeugen, dass die gespendeten Gelder für das Projekt Christopher in dieser extrem armen Region Afrikas gut angelegt werden, denn alle 2 bis 3 Jahre fährt Josef Lülf nach Moshi, um die geleisteten Zahlungen mit den Belegen der Ausgaben zu überprüfen und sich mit den verantwortlichen Personen in der Schule über vergangene und anstehende Probleme auszutauschen.

 

Handwerkerschule Mawella Vocational Training Center (MVTC)

Das Projekt Christopher wurde im Jahre 1978 von Josef Lülf mit dem damaligen Pfarrer der katholischen Gemeinde Mawella, einer Gemeinde von ca.13000 Seelen, bestehend aus fünf Dörfern, ca. neun km nördlich von Moshi, Tansania, gelegen, gegründet. Neben vielen Aktivitäten zu Beginn des Projektes konzentriert sich das Projekt Christoper seit 1989 sowohl materiell wie auch finanziell auf die Handwerkerschule Mawella Vocational Training Centre (MVTC). Die deutsche Seite übernimmt dabei die investiven Kosten der Handwerkerschule, d. h. den Bau von Schulgebäuden sowie die Finanzierung und Beschaffung der Maschinen und benötigter größerer Geräte und des Handwerkszeugs. Das Projekt Christopher bemüht sich, jungen Menschen in Afrika eine sinnvolle Perspektive zu geben, indem sie eine dreijährige Ausbildung zum Tischler, Schlosser oder zur Schneiderin bekommen. Am Ende der Ausbildung legen die Schüler eine staatliche Prüfung ab, die mit der Aushändigung eines Gesellenbriefes verbunden ist. Bis zu 25 Schüler werden pro Klasse aufgenommen, um einerseits die Schüler zeitlich angemessen betreuen zu können, andererseits die Kosten der Schule in einem finanzierbaren Rahmen zu halten.

Neben dem Verwaltungsgebäude, zwei Klassenräumen und einer Küche besteht die Schule zurzeit aus einer Nähwerkstatt, einer Schlosserei und einer Tischlerei. Außerdem vermittelt die Schule eine Ausbildung zum Maurer. Die umliegenden Bewohner können in der schuleigenen Maismühle zudem gegen Entgelt Mais mahlen lassen. So bildet die Schule zurzeit 55 Schülerinnen und Schüler aus, davon 17 Mädchen in der Nähwerkstatt.

 

Teilnahme an der School-Board-Sitzung

Am Freitag, den 6. Juli 2007 verbrachte die Emsdettener Delegation den ganzen Tag im Mawella Vocational Training Center. Nach einem herzlichen Empfang durch Schüler und Lehrer konnten die Emsdettener die intensive Arbeit in der Schule beobachten und an einer Sitzung des School - Boards teilnehmen. Der Schulleiter, Gervas Kiwia, erstattete einen umfassenden Bericht über das, was in den letzten 3 Jahren geschehen war. Darüber hinaus wurden die Planungen für die nächsten Monate vorgestellt:

  • Bis Ende Juli 2007 sollen die Versammlungshalle und die zugehörigen Toilettenanlagen fertig gestellt sein. Diese Halle soll für Seminare, schulinterne und externe Versammlungen und Familienfeiern vermietet werden und beschert damit der Schule ein gutes zusätzliches Einkommen.

  • Die Maschinen und die Solaranlagen, die auch der Sicherheit auf dem Schulgelände dienen, sollen überholt - und soweit nötig - repariert werden.

  • Damit auch Schüler aus größerer Entfernung die Schule besuchen können, wird zurzeit ein Internat errichtet, das bis Ende des Jahres fertig gestellt sein soll. Der Bau dieses Internatsgebäudes wird mit 12 000,- Euro aus Mitteln des Landes NRW gefördert.

  • In naher Zukunft sollen die Handwerkszweige sanitäre Installation und Elektrotechnik in das Ausbildungsprogramm der Schule aufgenommen werden.

  • Es wurde noch einmal deutlich festgestellt, dass neben der Ausbildung jede Berufssparte auch eine Produktionswerkstatt hat, damit sich auf der einen Seite die Schule über die Produktion selber finanziert und und auf der anderen Seite die Schüler ihr erworbenes Wissen in der konkreten Praxis anwenden können (learning by doing).

  • Die Qualität der Ausbildung soll durch die fortlaufende Weiterbildung der Lehrer gefestigt und verbessert werden.
     

Hilfe zur Selbsthilfe - jeder gespendete Euro kommt an und hilft nachhaltig
 

Da die wirtschaftliche Situation der Bevölkerung auf absehbare Zeit sich nicht deutlich verbessern dürfte, ist es eine der Aufgaben des Projektes, die noch fehlenden laufenden Kosten der Schule (ca. 20 %) aufzubringen, um unter anderem die Lehrer zu bezahlen. Um die Kosten für die Lehrergehälter zu minimieren, wurde im Jahr 2000 ein Lehrerhaus errichtet.

Eigene Gelder erwirtschaften alle Klassen wie auch die Schlosserei, die nicht nur als Ausbildungsstätte dient, sondern auch die Möglichkeit eröffnet, Geld für die Schule zu erwerben, beispielsweise durch Produktion von Fenster- und Türgitter für den Markt. Da kam es wie gerufen, dass Dieter Alaze, gelernter Ausbilder im Metallbereich, der zum zweiten Mal die Schule besuchte, während des Aufenthaltes den Lehrern und Schülern zeigen konnte, wie Schweißnähte gehobenen Ansprüchen genügen können oder wie aus Metall ein Doppelbett gefertigt werden kann. Diese Doppelbetten werden dann für die Schlafräume des Internates kostengünstig eingesetzt. Ein konkretes Beispiel wie Hilfe zur Selbsthilfe funktioniert.

Inzwischen hat in der Tischlerei der dritte Jahrgang die Prüfungen abgeschlossen. Alle Schüler haben eine Anstellung gefunden oder haben sich selbstständig gemacht. Ihnen steht weiterhin gegen Entgelt der Maschinenpark der Schule zur Verfügung, um z. B. größere Holzteile entsprechend bearbeiten zu können.

 
 
 
 

Insgesamt konnte sich die Emsdettener Gruppe davon überzeugen, dass die Spendengelder, die dem Projekt Christopher zufließen, sinnvoll und effektiv ausgegeben werden. Jeder gespendete Euro kommt vor Ort an und hilft nachhaltig.

 
 

Unvergesslich Eindrücke bei einer Safari-Tour

 

Für die Gruppe war es selbstverständlich ein enormer Reiz, sich während des Aufenthaltes mit dem Leben der Afrikaner und der Landschaft Tansanias vertraut zu machen.

Während Josef Lülf den Verbleib der Spenden und die Buchhaltung der Schule kontrollierte und Dieter Alaze in der Schlosserei mit den afrikanischen Gesellen u. a. Betten herstellte, begaben sich die restlichen sechs Personen auf eine 5-tätige Safaritour. Sie lernten den Lake Manyara Nationalpark, den Ngorongoro Park und den Serengeti National Park kennen.
 

Aus nächster Nähe sahen sie die „Big Five“ – Büffel, Elefant, Nashorn, Leopard und Löwe in freier Wildbahn oder die großen Herden von Büffeln, Zebras und Gnus, die durch die Steppe nach Kenia zogen. Unvergesslich war auch der Ausblick bei strahlendem Wetter auf den Kilimandscharo, der mit einer Höhe von 5892 Metern und seiner schneebedeckten Spitze einen der weltweit faszinierendsten Berge darstellt. Ein Ausflug in die Usambara - Berge zeigte der Gruppe, dass Afrika nicht nur über Savanne und Steppe verfügt, sondern auch über Landschaften mit einer üppigen Vegetation, wie wir sie aus Österreich und der Schweiz kennen.

 

Neben der Armut innerhalb der Bevölkerung taten sich auch der unendliche Reichtum Afrikas und die enorme Gastfreundschaft seiner Bevölkerung auf. Die Infrastruktur des Landes verbessert sich sehr langsam, wenngleich übervolle Kleinbusse (25 Personen im Toyota-Kleinbus) zum alltäglichen Straßenbild gehören.

 

Oft wurde die Gruppe von Afrikanern eingeladen. So lernten die Emsdettener auch Feste der Afrikaner kennen. Auf einer „Send-Off-Party“ erlebten sie, wie die zukünftige Braut feierlich aus ihrer Familie verabschiedet wurde. Beeindruckend war auch die herzliche Aufnahme der Gruppe durch die Familie von Damian, einem Freund Emsdettens.

 

Die tiefe Verbundenheit mit Emsdetten wurde auch deutlich, als sich die Mitglieder der Pfarrgemeinde in Mawella überaus herzlich für die Übergabe einer neuen elektronischen Orgel, die gespendet worden war, und für die deutsche Unterstützung der Handwerkerschule Mawella Vocational Training Centre bedankten. Der Gesang der tansanischen Chöre zum Klang dieser Orgel war ein begeisterndes Erlebnis in der Kirche von Mawella.

 

Als am 10. Juli 2007 die Reise zu Ende ging, hatten die Emsdettener unvergessliche Tage in Tansania verbracht. Alle waren sich einig, dass die gespendeten Gelder für das Projekt Christopher in Tansania sinnvoll und gut angelegt sind und jeder weitere Euro den Menschen noch mehr Chancen zur Selbsthilfe gibt.

 

Bericht:
Fotos:

 

Klemens Hoppe
Bernd Heidotting
Christel Hoppe
Josef Lülf
Ludger Uhlenbrock

www.projekt-christopher.de

Spendenkonto: 34 43 800 bei der Darlehnskasse im Bistum Münster, BLZ 400 602 65

 
   

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