Mein letzter Monat bricht an....

In ihrem letzten Bericht aus Cardonal erzählt Johanna von der Firmung, die am 12. Juni in Cardonal gefeiert wurde, und von den Events, die im Vorfeld der Firmung stattgefunden haben.
Wir erfahren, dass sie sich schon langsam auf die Rückkehr nach Emsdetten einstellt und vorher noch allerhand erledigen muss.

 

 

13. August 2010

Hola desde el Valle del Mezquital,                                 

 

Zu allererst muss ich mich wohl bei euch allen entschuldigen, da ich mich wirklich schon sehr lange nicht mehr gemeldet habe, mehr als 3 Monate? So ungefähr, lo siento!

Aber wenn ich die Zeit zurückblicke, kommt mir das eigentlich gar nicht so viel vor, denn für mich sind diese 3 Monate sehr schnell vorbei gegangen. Aber na ja, hier kommt nun endlich, besser verspätet als gar nicht, ich vermute schon mein letzter Bericht.

Da ich mittlerweile schon einen sehr geregelten Arbeitsalltag habe, fällt es mir gerade sehr schwer, die passenden Worte zu finden, um euch zu erzählen, was alles passiert ist. Am besten fange ich mit der Firmung an, die am 12.Juni war.

Vor der Firmung hatten wir  noch 3 größere Events: Pfingsten, ein Wochenende für die Firmlinge und ein großes Treffen mit den Eltern und Firmpaten. Das war natürlich auch einiges an Arbeit, da es nun mal 210 Firmlinge waren, sprich bei dem Treffen mit den Eltern und Firmpaten wir dann dort mindestens 500 Leute stehen hatten, aber mit viel weniger gerechnet hatten. Da mussten wir dann sehr viel improvisieren, denn schon das erste Problem war, dass wir nicht für alle einen Sitzplatz hatten. Am Ende stellte sich jedoch heraus, dass alle sehr gut zufrieden  waren, nur wir uns viel zu viele Sorgen gemacht hatten.

Das Treffen mit den Firmlingen lief ein wenig stressfreier ab, da es jedoch über Nacht war, kann man sich vorstellen, dass mit  viel Schlaf nicht zu rechnen war, aber das wusste man auch vorher und es hat eigentlich alles sehr gut funktioniert. An diesem Wochenende wurden die Jugendlichen noch mal ganz intensiv auf den Tag ihrer Firmung vorbereitet. Wer nicht zu diesem Treffen kommt, wird nicht gefirmt, ist also auch echt sehr streng.

Pfingsten war für mich  eine ganz neue Erfahrung.

Da haben wir mit den Jugendlichen die ganze Nacht vor Pfingsten gewacht, gebetet und Spiele gespielt. Die Jugendlichen sind am Abend vor Pfingsten alle so gegen 22.00 Uhr gekommen und das Treffen war dann ca. um 7,.00 Uhr zu Ende. An Pfingsten kommt der Heilige Geist. Für die Jünger war dies also quasi ihre Firmung, denn am Tag der Firmung empfängt der Jugendliche den Heiligen Geist, also waren wir in der Nacht alle die Jünger von Jesus. In Form einer Really haben die Jugendlichen die 7 Gaben, die der Heilige Geist den Jüngern gegeben hat, entdeckt und kennengelernt. Morgens haben wir dann in Form eines Lagerfeuers den Heiligen Geist dargestellt, der herab kommt und sieben Gaben spendet. Das haben wir auch genau so nachgespielt. Diese Nacht war natürlich sehr anstrengend, aber auch eine sehr schöne Erfahrung.

Mich hat es ein bisschen an die Nacht vor Karfreitag erinnert, denn dort wird bei uns ja auch in der Nacht gebetet und gewacht.

Hier machen die Mexikaner das natürlich auch, aber nicht mit den Jugendlichen, sondern mit allen,  die Lust haben. Sie können nachts zu einer bestimmten Uhrzeit in die Kirche gehen und beten, singen und wachen.

Nach ca. 8 Monaten Vorbereitung der Firmlinge auf ihre Firmung mit vielen Treffen und großen Events war am 12. Juni dann der große Tag. Die Woche davor war eine sehr stressreiche Woche für mich, da ich alle Firmurkunden drucken musste und natürlich auch Liederzettel und das Programmheft der Messe gemacht werden mussten. Dabei haben mir jedoch die anderen Jugendlichen, die in der „Equipo Coordinador“ (Organisationsteam der Firmung) sind, geholfen. Seit dem 12. Juni hat sich daher mein Leben hier ein bisschen entspannt, denn ich muss schon sagen, die Organisation aller Events, Treffen, Versammlungen und dann ja auch noch Firmstunden mit der eigenen Gruppen war sehr viel Arbeit, was ich, ehrlich gesagt, vorher nie gedacht habe. In Deutschland geht die Vorbereitung auf die Firmung ja auch ein bisschen schneller, obwohl mir letztens mitgeteilt wurde, dass sich das nun mittlerweile auch ein bisschen verändert hat. Mal sehen, was ich von dem, was ich hier gelernt habe, in Deutschland bei der Vorbereitung mit einbringen kann!

Den Rest von Juni und Juli wurde dann erstmal eine Pause eingelegt, aber schon jetzt fangen Triny und ich so langsam wieder an, Katecheten zu suchen. Wir versuchen, die „Equipo Coordinador“ zu versammeln, denn so was dauert immer länger, als man denkt.

Von Triny habe ich euch auch schon erzählt, oder? Triny kommt aus Saúz (einem Dorf von Cardonal) und ist schon mehr als 15 Jahre in der Firmvorbereitung tätig und weiß deswegen gut von allem Bescheid.

Gestern war ich mit ihr in 5 Dörfern, um entweder die Katechetin des letzten Jahres aufzusuchen oder jemanden neu zu motivieren in einem Dorf, wo keine Firmung war. (Wer vergessen hat, wie viele Dörfer zu Cardonal gehören, hier noch mal zur Erinnerung: Es sind 46, also fehlen nur noch ca. 40, die zu besuchen sind!)

Gleichzeitig haben wir auch schon die Einladung für die erste „Reunión de Catequistas“ (Katecheten-Treffen) verteilt. Dieses Treffen wird am 12.September sein.

Dort sprechen wir darüber, wer schon weiß, ob in seinem Dorf eine Gruppe zu Stande kommt oder nicht. Die Firmgruppen fangen erst Ende Oktober/Anfang November an, aber die Katecheten müssen ja auch auf ihre Themen, die sie den Jugendlichen geben, vorbereitet werden, und das geschieht in diesen Katecheten-Treffen, die alle 2-3 Wochen sonntags stattfinden und auch von dem Organisationsteam vorbereitet werden.

Wie ihr seht, gibt es auf jeden Fall genug Arbeit, obwohl es, wie bereits gesagt, in den letzten Wochen  ein bisschen entspannter war und ich mich so nun noch mehr auf meine anderen Gruppen konzentrieren kann.

In San Antonio habe ich ja immer noch meinen Chor. Seit 2 Wochen fahre ich nun auch unter der Woche zusätzlich dorthin, um Gitarrenunterricht zu geben, denn das Ziel ist natürlich, dass der Chor auch ohne mich weiter existiert. Außerdem sind die Leute auch total motiviert und wollen alle Gitarre spielen lernen, und das ist natürlich super. Deswegen versuche ich das wenige, was ich kann, ihnen beizubringen. Könnt ihr euch vorstellen, dass ich Gitarrenunterricht gebe? Kaum vorstellbar, aber trotzdem wahr! :-)

Mit meinen Messdienern, wo noch 3 dazu gekommen sind und die Gruppe sich nun auf 10 erhöht hat, mache ich im Moment Gipsmasken, wovon sie einfach total begeistert sind.

Noch habe ich keine neuen Messdienergewänder gekauft, aber das werde ich noch machen. Das Material für die Masken habe ich auch von meinen Spendengeldern bezahlt. Außerdem werde ich  noch einen tragbaren  CD-Player kaufen, der hier einfach sehr nützlich sein kann, um Reflexionen mit den Kindern zu machen oder einfach Spiele.

In den Messen sind sie bereits sehr fitt und brauchen auch nicht mehr viel Hilfe, da bin ich sehr optimistisch, dass diese Gruppe weiter besteht!

Mit meinen Kindern in Palacios möchte ich gerne noch einen Ausflug machen, da sie wirklich fast nie aus ihrem Dort rauskommen und noch nie was anderes gesehen haben.

Meine Deutschschüler machen sich auch echt sehr gut; vielleicht wird ja irgendwann einer von ihnen mal die Chance haben, ein Jahr nach Deutschland zu kommen, denn auf jeden Fall können sie schon das Wichtigste sagen und verstehen.

Jetzt noch ein paar Worte zur Freundschaftsgruppe: Am 19. Juni hat das große Treffen aller Gemeinden der Diözese Tula, die eine Partnergemeinde in Deutschland haben, hier bei uns in Cardonal stattgefunden. Für dieses Treffen haben wir eine Fotocollage erstellt mit vielen verschiedenen Fotos von den Treffen hier, aber auch von  Besuchen aus Deutschland aus den letzten Jahren. So ist nun auch seit dem 19.Juni noch der Heilige Ludgerus bei uns.

Dieses Wochenende werden wir mit einigen aus der Freundschaftsgruppe hier aus Cardonal zu einigen Messen mitfahren und den Heiligen Ludgerus vorstellen und auch etwas zu den Fotos sagen. Dies dient dazu, die Freundschaft zwischen den beiden Bistümern, und ganz speziell zwischen Cardonal und Emsdetten, noch mal bekannter zu machen und vor allem zu versuchen, noch mehr Leute dafür zu motivieren, in die Freundschaftsgruppe einzutreten.

Schon am nächsten Wochenende wird das nächste große Freundschaftstreffen in Durango, Zimapán, stattfinden. Dort werden wir dann den Heilige Ludgerus wieder abgeben müssen. Am Mittwoch haben wir uns mit der Freundschaftsgruppe nur aus Cardonal getroffen (jeden ersten Mittwoch im Monat treffen wir uns). Dort haben wir den neuen Pfarrer Roberto….. und den neuen Freiwilligen Johannes Damm, der bereits nach 3 Wochen aus dem Spanischkurs in Cuernavaca zurückgekehrt ist, hier in Cardonal willkommen geheißen.

Nun werde ich Johannes hier in alles noch ein wenig einführen und hoffe, dass er ein paar von meinen Gruppen vielleicht übernehmen will, denn wie bestimmt viele von euch bereits wissen, sind meine letzten Wochen hier in Cardonal gezählt, es sind noch ca. 5.

Dann frage ich mich wirklich: Wo ist das letzte Jahr geblieben? Und mir wird klar, wie viel ich hier gelernt habe und was für ein Glück ich hatte, das alles hier erleben zu dürfen: eine einmalige Erfahrung, die mir niemals jemand nehmen kann. Wenn man in eine neue Kultur eintaucht und sie „poco a poco“ kennenlernt, ist auch ein Jahr nicht mehr lang, denn um wirklich alles einer fremden Kultur verstehen zu können, reicht (da bin ich mir sicher) nicht mal das ganze Leben aus.

Nun ist das Jahr vorbei. Es war eine unvergessliche Zeit, aber es ist auch an der Zeit, wieder zurückzukehren. Und ich kann euch sagen, ich gehe nicht traurig hier weg, denn ich werde wiederkommen!! :-) Es wird schwer, Abschied zu nehmen, da ich viele Menschen hier sehr lieb gewonnen habe, aber die Freude alle in Deutschland wieder zu sehen, ist natürlich auch sehr groß.

Von daher endet hier mein Bericht und, falls ihr jetzt noch Fragen habt, könnt ihr mich in einigen Wochen auch persönlich fragen!!!

Bis ganz bald,

eure Johanna aus dem Valle del Mezquital!